Über den Wolken

Blutmond über Chile

Letzte Woche war ich auf dem Condor Trail unterwegs.

Dienstag morgen haben wir die Pferde und das Mula für die nächsten 5 Tage bepackt und haben uns auf den Weg nach Maitenes gemacht. Mit ca. 5 Stunden im Sattel war der erste Tag angenehm kurz. Am Tagesziel angekommen haben wir erstmal eine kleine Teepause eingelegt – bei René ein muss. Das Nachtlager haben wir wie beim letzten mal auch unter dem großen Feigenbaum aufgeschlagen. Im Gegensatz zum letzten mal waren diesmal aber unendlich viele Mücken unterwegs sodass ich nach dem Abendessen direkt ins Bett gegangen bin. Trotz Schal, Kaputze, Schlafsackinlet und Schlafsack über den Ohren habe ich die Mücken trotzdem gehört und das hat mich meinen Schlaf gekostet. Zudem war ich wegen der Mücken so fest im Schlafsack eingemummelt das es einfach unerträglich heiß war.

Armes Mula…

Auf dem Weg nach Maitenes

So gegen 06:00 Uhr morgens habe ich dann beschlossen einfach schon aufzustehen. Es war zwar noch dunkel aber ich habe einfach schon mal angefangen Trinkwasser abzufüllen und neu zu kochen, Mittagessen und Frühstück vorzubereiten.

Die beiden Gäste (zwei deutsche Mädels) sind auch schon recht früh aufgestanden weshalb wir pünktlich um 09:00 Uhr losgeritten sind.

Der zweite Tag war lang und heiß. Außer bei der Mittagspause war kein bisschen Schatten und auch der Wind war eher heiß als angenehm kühl. Es ging viel bergauf und bergab. Als wir am nächsten Schlafplatz ankamen waren alle einfach nur froh sich wieder auf eigenen Beinen zu befinden. 8-9 Stunden im Sattel sind dann doch nicht ohne. Das Schlafsacklager haben wir unter einem Baum direkt an einem Bachlauf errichtet. Das war zum Spülen und Kochen und Abwaschen sehr praktisch :). Während René sich um die Pferde gekümmert hat haben wir Mädels schon mal ein Feuer gemacht. Sollte eigentlich nicht so schwer sein zudem alles wirklich trocken war. Trotzdem haben wir gut eine halbe Packung Streichhölzer verbraucht bis das Feuer endlich gebrannt hat. Mit dem Holz hatten wir es auch etwas gut gemeint und so haben wir direkt mal Wasser bereit gestellt um im Notfall löschen zu können. Auf dem Feuer haben wir dann Trinkwasser abgekocht bevor wir mit den Vorbereitungen fürs Abendessen begonnen haben.

Den ganzen Tag sieht man niemanden…

…außer mal einen Fuchs

.. oder einen Esel

Zeit für ein Päuschen im Schatten
Immer wieder erstaunlich wenn es nach Stunden durch die Berge wieder einen grünen Fleck gibt..
Privatgrundstück – Durchgang verboten… unser Platz für die Nacht – Vallecito
Ruck Zuck 15 Minuten und schont brennt das Feuer 😀

Sobald es dunkel wurde haben wir uns fertig gemacht und schlafen gelegt. Mein Schlafplatz war nicht unter einem Baum und so hatte ich einen herrlichen Blick auf den Sternenhimmel. Da ich aber ja die Nacht davor so gut wie gar nicht geschlafen habe bin ich direkt eingeschafen und erst vom Wecker am nächsten Morgen aufgewacht. Gleiches Prozedere wie immer und auch dort sind wir pünktlich sogar vor 09:00 Uhr losgekommen.

An diesem Tag ging es den Vormittag komplett nur Bergauf. Auf eine Höhe von ca. 3.200 Metern fingen auf einmal Hunde an zu bellen und es war ein getöse wie sonst was. Es stellte sich heraus dort lebten Menschen. Vermutlich Ziegenhirten, allerdings hatten die Schweine, Truhthähne, Esel, Pferde und natürlich Ziegen mit dabei. Verrückt das dort irgendwo im nirgendwo auf dieser Höhe Menschen wohnen.

Kurze Verschnaufpause zwischendurch

Einfaches Leben auf über 3.000 Metern

Etwas weiter hat sich die Landschaft dann geändert. War es vorher noch karg und Bergig einfach nur wuchs dort auf einmal Moos und wir kamen an einen Flusslauf der auf einer Wiese endete wo unheimlich viele Ziegen grasten.

Kleine Trinkpause in Moosiger Umgebung

Traumhafte Ausblicke

Entlang dieses Flusses sind wir weiter hoch bis sich die Landschaft wieder änderte und wir über eine Art Vulkankrater geritten sind. Hier war es angehalten sich an die Spuren des Vorreiters zu halten damit man nicht einsinkt… okay..!

Auf der höhe von knapp 3.800 Metern hatten wir dann den höchten Punkt erreicht. Dort oben wehte ein kühles lüftchen sodass etwas langärmliges nicht unangebracht war. Auf dem Weg nach unten haben wir dann Pumaspuren gesehen. Hat mich bei dieser Höhe nicht so Überrascht und die Knochenreste und Skelette die wir unterwegs gesehen haben, haben das nochmal verdeutlicht.

Auf dem Foto nicht so gut zu erkennen aber Pumaspuren

Hier sind die Pumaspuren etwas deutlicher zu sehen 🙈

Auch der Weg nach unten ging entlang eines Flusslaufes. Leider war es zwischendurch etwas Morastig und auch hier wäre es Klug gewesen sich an den Weg von René zu halten. Leider hat mein Pferdchen das nicht so genau genommen und schon steckte er bis zum Bauch im Schlamm und kam nicht mehr raus. Bei dem Versuch rauszukommen ist er dann seitlich umgefallen und ich bin runter. Nach einigen versuchen ist er dann zum Glück aus dem Schlamm wieder rausgekommen. Außer das wir beide Klitschnass und Schlammig waren ist nichts weiter passiert und ich konnte wieder aufsteigen. Danach haben wir uns IMMER an Renés Weg gehalten :D. Dank der Sonne und des Windes waren meine Sachen auch recht schnell wieder trocken und eigentlich war die Aktion ziemlich witzig (auch wenn außer mir keiner gelacht hat).

Auch hier auf dem Weg nach unten ins Tal haben wir noch einige Stationen gesehen wo Ziegenhirten ihr Lager aufgeschlagen hatten. Jedesmal begleitet von 10-15 Hunden die sich lautstark gemeldet haben sobald wir näher kamen. Ich nehme mal an die sind zum Schutz vor den Pumas da.

Auf dem Weg nach unten…

Süß der kleine.. 😊
Pause zwischen einer Ziegenherde

Unten in San Augustin wartete dann schon Luis mit einer neuen Ration Essen und Heu für die Pferde auf uns. Hier hatten wir sogar einen richtigen Platz zum Schlafen mit Tisch, Bänken und einer Art Grill. Da wir hier unten am Fluss waren sind wir erstmal Baden gegangen. Dank meines kleinen Schlammausflugs war das bei mir auch dringend nötig.

Luxus mit Tisch in San Augustin

Nachtlager

Die Nacht war wieder nicht so klasse. Mein Nachtlager war etwas abseits von den Mädels und irgendwann in der Nacht hatte ich das Gefühl es schleicht die ganze Zeit was um mich rum und so musste ich erstmal meinen Schlafplatz ändern bevor ich ein kleines bisschen schlafen konnte.

Auch am vierten Tag ging es wieder ganz schön hoch. Der Weg war nicnht ganz so angenehm, mussten wir doch ein ganzes Stück durch sehr kratzige Büsche reiten. Unterwegs haben wir auch immer wieder Skelette gesehen. Die Pause war auf einer Höhe von ca. 3.800 Metern und wir sind auch danach noch ein ganzes Stück über den Bergkamm geritten und haben die Wahnsinsausblicke genossen. Der Weg nach unten war dann aber nicht so klasse. Ohne Wind war es verdammt heiß und es ging sehr Steil im Zack Zack über Geröll Bergab. An diesem Tag waren wir alle wirklich froh als wir unten waren und auch das uns unterwegs kein Erdbeben gestört hat. Das wäre auf diesem Weg wirklich nicht so witzig gewesen. Seit dem großen Erdbeben gibt es nämlich täglich mehrere, auch immer mal wieder stärke.

Fast oben…

Pause in luftiger Höhe

Und wieder runter…
Da müssen wir hin…

In Las Breas waren wir wieder erstmal Baden während René die Pferde versorgt hat. Hier gehen wir abends immer bei einer Einheimischen Essen. Vorher haben wir wie immer noch das Nachtlager errichtet. Auch hier nicht unter Bäumen sodass wir den herrlichen Sternenhimmel beobachten können.

Nachtlager in Las Breas

Auch den letzten Tag haben wir Routinemäßig gestartet und sind vor 09:00 Uhr losgeritten. An diesem Tag reiten wir immer recht viel an der Straße entlang. Coral den ich geritten bin ist nicht so geignet für die Straße weil er sich über jede Kleinigkeit aufregt und sich vor jedem Auto erschreckt. Nach der Pause sind wir an Renés Elternhaus vorbeigekommen und er hat jedem von uns eine handvoll Trauben mitgebracht.

Auch hier kann man die Auswirkungen des Erdbebens noch sehen..

Durch die Berge ging es dann zurück zur Hacienda. Das war tatsächlich wie nach Hause kommen. Während ich alles ausgeräumt, gespült und weggeräumt habe, haben Elli und ich alle Neuigkeiten ausgetauscht. Vor dem Abendessen hab ich dann noch Wäsche gewaschen und geduscht – fühlte sich nach 5 Tagen im freien an wie neu geboren.

Nach getaner Arbeit – glückliches Mula

Ein tolles Erlebnis, durchaus Anstrengend aber wirklich eine Erfahrung wert.

Liebe Grüße aus der Sonne,

Luisa


7 Gedanken zu “Über den Wolken

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